EINE FRAUENZEITSCHRIFT
home

AUFeine
Frauenzeitschrift

AUF info
In anderer Form

AUF redaktion
Wer sind wir?

AUF kultur
Was tun wir?

AUF abo
Wie bestellt ihr?

AUF archiv
Bisherige Ausgaben

AUF facts
Die Datenbank

AUF herstory
Aktion Unabhängiger Frauen

AUF zu den Links!
Vernetzung ist alles!

AUF kontakt

AUF termine

Illustration von Birgit Kübler Illustration von Birgit Kübler Illustration von Birgit Kübler

Illustration - Birgit Kübler: die diva liebt sich XV, XIII, IX (2004)

Nachrichten aus dem Patriarchat - Leseproben

Das Gelächter mit zwei Seiten: befreiend für das Subjekt vernichtend für das Objekt, das kann die Glosse bieten. Im konkreten Fall eine, gegen die sich die alten Herren des Patriarchats tröstend aneinanderklammern müssen. Ja, sie werden sehr lächerlich, sehr von ihrer Anmaßung entkleidet. Selbstverständlich wird ihre Behauptungsmacht nicht übersehen, es ist klar, dass wir noch lange nicht an den Schalthebeln sitzen. Frigga Haug ruft aber auch auf, das Glosseschreiben als lustvolle Strategie gegen Lähmung oder ohnmächtigen Zorn zu nutzen.
Die in dem von Frigga Haug herausgegebenen Sammelband publizierten Glossen versammeln fröhliche, beissende, spitze, blitzkluge Satiren auf den zähen Schwanengesang der Männermacht. Hier zu lesen sind die Einleitung und drei Textproben des Buches. (Eva Geber)

© Argument Verlag 2005, Glashüttenstr. 28 , 20357 Hamburg, ISBN 3-88619-469-8, 1. Auflage 2005, www.argument.de

Die beiden Salzstreuer

Am Morgen beim Frühstück lehrt er die Kinder, dass der beliebte Salzstreuer, der oben und unten gleich breit und in der Mitte tailliert, ein männlicher Salzstreuer ist, während derjenige, der oben schmal und unten weit ausladend massig ist und den niemand recht mag, ein weiblicher. Empört ruft das zierliche Mädchen, dass dies genau umgekehrt sei, und errötet, weil sie die Verachtung des Weiblichen und die narzistische Betrachtung des Männlichen verstand und zugleich nicht begriff.

Die Bar

Eine ganz unbedeutende Szene. Ich trete aus dem heißen Sonnenlicht in die kleine dunkle Bar, lehne mich einverstanden an den Tresen, blicke den Barkeeper, die einladende Frage nach meinem Wunsch antizipierend, an. Ich habe Durst. Die vorsorglich geprobten Worte in der fremden Sprache stauen sich in meinem Mund. Der Barkeeper wäscht das Bierglas in seinen Händen langsam aus, wendet sich und geht auf mich zu. Ich hole Luft, will meine Bestellung abgeben, er ist jetzt ganz nah vor mir. Ich spreche und er blickt über mich hinweg, durch mich hindurch, und hinter mir der neu hinzugekommene Mann spricht seine Bestellung in die aufmerksamen Ohren. Ungehört stehen meine Worte vor mir. Ich bin beschämt. Trete von einem Bein aufs andere. Da kommt eine Frau aus den hinteren Räumen und begibt sich hinter den Tresen. Ich lächle sie beglückt und bündnisheischend an. Sie lächelt auch, geht direkt auf mich zu und sieht durch mich auf den zweiten Mann, der inzwischen hereingekommen ist. Unsichtbar wende ich mich um und gehe aus der Fremde. Mein Durst bleibt.

Von Frigga Haug

AUF 127 - Einfach, Global

top