16 TAGE
home

AUFeine
Frauenzeitschrift

AUF info
In anderer Form

AUF redaktion
Wer sind / waren wir?

AUF kultur
Was tun wir?

AUF edition
Wie bestellt ihr?

AUF archiv
Bisherige Ausgaben

AUF herstory
Aktion Unabhängiger Frauen

AUF kontakt

AUF termine

AUF Webmasterin: Veronika Reininger

Ministerielle Zensur eines Kunstprojektes?

An
Bundesministerin Frau Doris Bures
Bundeskanzleramt: Frauen
Minoritenplatz 3
1014 Wien
Wien, den 4. November 2007

Sehr geehrte Frau Ministerin Bures!
Wir haben erfahren, dass ein geplantes kunstpolitisches Projekt der Künstlerinnen Carla Knapp und Angela Zwettler "hellwach –bei Gewalt an Frauen" im Rahmen der internationalen Tagung "10 Jahre österreichische Gewaltschutzgesetze" kurz vor Beginn der Tagung von Ihrem Ressort untersagt wurde.

Zitat der Künstlerinnen: "Zwei Arbeiten (Bild und Text) wurden als "nicht ministrabel" eingestuft. Nach dieser Ablehnung forderte das Ministerbüro Bures unsere Glückskeks-Texte an. Auch sie wurden zur Gänze abgelehnt."
Eine schriftliche Absage liegt nicht vor.

Wir ersuchen um Mitteilung, wieso eine künstlerische Installation, die eine abstrakt dargestellte wehrhafte Frau zeigt, sowie der dazugehörende Text: "Viele Frauen und Mädchen sitzen zu Hause in der Falle. Vergewaltiger wir kriegen dich!" verboten wird?
Welche Zeichen für Frauen sollen damit gesetzt werden?
Sind daraus Rückschlüsse auf die Frauenpolitik der Regierung zu ziehen?

Ebenso fragen wir, wieso das Bundesministerium für Frauen die künstlerische Darstellung einer kräftigen muslimischen Frau vor dem Hintergrund einer österreichischen Kleinstadt sowie den Text: "Wir fordern einen autonomen Aufenthaltsstatus für Migrantinnen! Sie sind sonst rechtlos der Gewalt durch den Ehemann ausgesetzt." untersagt?

Zehn Jahre Gewaltschutzgesetz sind ein Grund zu feiern. Künstlerische Auseinandersetzungen zur Thematik Gewalt an Frauen sind ein wichtiges Mittel, gesellschaftliche Veränderungen, mit denen Frauen nicht mehr auf Objekt- und Opferrolle festlegt werden, zu transportieren.
Wie sind in diesem Kontext die Zensurmaßnahmen zu verstehen?

"Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit"
Wir befinden uns weltweit in wesentlichen gesellschaftlichen Veränderungs- und Umstrukturierungsprozessen, die auch demokratiepolitische Herausforderungen darstellen. Wurde abgewogen, welche demokratiepolitischen Zeichen diese Zensurmaßnahmen setzen?

Mit besorgten Grüßen

Die Frauen der AUF–Redaktion

Dieser Anfrage schließt sich Anneliese Erdemgil-Brandstätter an.

cc an
Nationalratspräsidentin Frau Mag.a Barbara Prammer
Volksanwältin Mag.a Terezija Stoisits
News- und Presseverteiler der AUF

___________________
Diese Anfrage an Bundesministerin Doris Bures wurde ihr heute per Mail zugeschickt.
Die Exponate werden statt in der Ausstellung nun trotzdem per Beamer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht:
am Dienstag, 06. 11. von 18 bis 24 Uhr bei Anwesenheit der Künstlerinnen und am 08. 11. ab 19 Uhr,
beides im Frauencafe, Lange Gasse 11, 1080 Wien

AUF EINE FRAUENZEITSCHRIFT und AUF INFO

top