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AUF - herstory - Aktion Unabhängiger Frauen

Eine Reflexion der heutigen AUF-Frauen

Im Zusammenhang mit Recherchen sind wir auf Publikationen (bzw. eine Dissertation) sowie auf Texte gestoßen, in denen AUF-Frauen in Interviews über ihr Tun, Wollen, Bestrebungen und Arbeitsbedingungen etc.- berichten und irgendwie fühlen wir uns als ob wir schon vor 30 Jahren dabei gewesen wären - geändert hat sich bei weitem nicht so viel wie Frau annehmen würde. "(ich) komme...zu dem erstaunlichen Schluß, dass die AUF nur funktioniert weil und obwohl sie eigentlich nicht funktioniert. Oder das ist die Stärke und gleichzeitig die Schwäche der AUF, dass sie nicht funktioniert. Jedenfalls nicht so funktioniert wie es sich für eine anständige politische Organisation gehört. Aber gerade dann, wenn wir am Rande der Verzweiflung stehen und feststellen, was für ein chaotischer Sauhaufen wir eigentlich sind, klappt dann immer wieder doch noch alles...Denn die AUF funktioniert, weil sie eine Frauenbewegung ist, weil die Frauen, die in der AUF sind, eine Entwicklung und dadurch eine Befreiung mitmachen und weil diese Befreiung, die sich zunächst nach Innen richtet, innerhalb der Gruppe, innerhalb der AUF, unsere wichtigste politische Arbeit ist. Und weil dieser Befreiungsakt im Widerspruch zu jeder hierarchischen Organisation und Ordnung steht. Wie oft haben wir uns vorgenommen, die Organisation der AUF zu ändern. Wie oft wurde verzweifelt ausgerufen "Schuld ist die mangelnde und schlechte und nicht funktionierende Organisation!" Aber sollen wir sie ändern wenn es eh funktioniert." (AUF Nr. 7/Jänner 1976).

Einige 100 Redaktionsfrauen später können wir sagen, wir haben sie nicht geändert, diese Struktur. Die AUF(-Redaktion) ist immer noch und im Gegensatz zu vielen anderen Frauenprojekten eine weitgehend unstrukturierte Gruppe ohne starke oder merkbare Leitung, in der neben der politischen Arbeit Selbstbefreiung und Selbstpositionierung möglich ist. Wir haben für uns festgestellt, dass nur durch die Auseinandersetzung mit uns und mit Themen, die uns beschäftigen, wir uns und unsere Meinungen festigen können, so dass wir damit politischer werden: Im Zusammenhang mit z.B. dem vorliegenden Heft gilt es, den eigenen Erfahrungshorizont zu beschauen, wirken zu lassen und überhaupt annehmen zu können, durch also diese Selbsterfahrung, wird jede einzelne von den Redakteurinnen gefestigter, in dem was sie ist und möchte, nur so ist ein politisches Handeln (auch in Form von Texten für die AUF schreiben) möglich.

In den Anfängen der AUF spielte die Debatte über Abtreibung eine elementare Rolle, aber natürlich ging es auch um das "Ringen eines kollektiven Selbstverständnis, um das gemeinsame "Wer-sind-wir-warum-gibt-es-uns?"" (Geiger/Hacker 1989, S. 68). Nach 30 Jahren ist es an der Zeit, zurückzudenken und aufzuzeigen, wo auch heute noch die Bestrebungen von damals aktuell sind, vielleicht auch schon Wirkung gezeigt haben oder vielleicht auch teilweise in ihrer alten Form keine Relevanz mehr haben. Wenn Geiger/Hacker 1989 schreiben: "Die Frauen wünschten (1974/1975) ihre eigene Politisierung, um gemeinsam mit den Männern für eine sozialistische Gesellschaft kämpfen zu können und begriffen den Frauenkampf als Teil des Klassenkampfes", trifft das heute in dieser Form sicher nicht mehr zu. Zentral bleibt jedoch nach wie vor die Frage, "Wer-wir-sind-und-was-wir-noch-erreichen-wollen". Durch die Vielzahl der Frauengruppen und -projekte mit ihren ganz unterschiedlichen Strukturen, Arbeitsweisen, Ansprüchen und Zielen, ist die Frauenbewegung als solche nicht mehr so unmittelbar als eine Bewegung sichtbar. Gundi Dick schrieb zu dieser Entwicklung in ihrer Dissertation "Personelle und inhaltliche Verbreiterung führte zu einer Differenzierung der Frauenbewegung. Differenzierung bedeutet größere Heterogenität in Bezug auf politische Standpunkte und Strategien. Beides zusammen wirkt sich auf die Organisation der Bewegung aus. Die quantitative Verbreiterung und qualitative Veränderung ist in einer Bewegung strukturell angelegt. Es ist grundsätzlich das Ziel einer Bewegung, um sich zu greifen und mehr Themen und Personen zu erfassen. Gesellschaftliche Widersprüche führten ursprünglich zur Formierung der Bewegung. Sie sieht ihre vorrangige Aufgabe darin, Bewußtsein in immer größeren Rahmen zu schaffen und zu erreichen, dass Inhalte und Forderungen der Bewegung in allen gesellschaftlichen Bereichen aufgegriffen werden. Differenzierung ist also die Folge der eigenen Bewegungsdynamik und ist eine Notwendigkeit, um das Ziel der gesellschaftlichen Veränderung zu erreichen. Doch diese vernünftige Bewegungslogik verläuft bewegungsintern nicht unbedingt ohne Konflikte. Denn einer Bewegung ist genauso immanent, dass sie ihren Zusammenhang erhalten will, nicht zuletzt, um ihre Identität zu bewahren. Verbreitert sie sich, birgt das die "Gefahr", dass sich die Inhalte, die Bewegung als Ganzes und somit ihre Eigenart verändern. Eine Bewegung verläuft also zwischen der Konzentration auf ursprüngliche Ziele und dem Bestreben nach Ausuferung. (H.Dick 1991, S.119)

"So steht die Frauenbewegung vor einer widersprüchlichen Situation, mehr Frauen denn je engagieren sich emanzipatorisch, die Frauenbewegung hat sich in zahlreiche gesellschaftliche Bereiche ausgedehnt und die Frauen"Frage" wird in der Öffentlichkeit diskutiert. Die Frauenbewegung ist aber gleichzeitig als politische Kraft nicht stärker geworden. Sie findet keine gemeinsame politische Ausgangsform und das ehemalige Ziel, die grundsätzliche Gesellschaftsveränderung wird durch punktuelle, realisierbare Ziele abgelöst. Die Utopien passen sich den pragmatischen Zielen an und verlieren an Reichweite und Radikalität. Die Frauenbewegung verzeichnet mit der neuen Strategie durchaus Erfolge. Sie erreicht, dass feministische Ideen gesellschaftlich integriert werden und dass sich Projekte etablieren können. Sie erfährt aber auch, dass die Strukturen des patriachal-kapitalistischen Systems flexibel und aufnahmefähig, aber deren Grundfeste nicht zu erschüttern sind. Teile feministischer Ideen werden aufgegriffen und finanziert; einzelne Gruppen oder Frauen integriert; ausgewählte Themen aus dem feministischen Gesamtzusammenhang "verstaatlicht". Die selektive Vorgangsweise kann von gesellschaftlichen Instanzen um so leichter praktiziert werden, als sich die Frauenbewegung bereits selbst unterteilt und vereinzelt hat und damit diese Entwicklung nur wenig verändern kann. Die Frauenbewegung hat die Möglichkeit, diese Auswahl zu akzeptieren (oder abzulehnen), doch sie hat nicht die politische Macht sie zu steuern und auf den feministischen Gesamtzusammenhang zu beharren. (ebd. S. 231)

Die Ausdifferenzierung und Etablierung hat stattgefunden, die Notwendigkeit zur Ausdifferenzierung soll hier mal nicht in Frage gestellt werden, dennoch wollen wir beim Symposium gemeinsame Nenner und Möglichkeiten herausarbeiten und uns, auch trotz aller Differenzen, wieder auf gemeinsame Ziele und Analysen konzentrieren und Kräfte bündeln. Insbesondere in einer zeit in der selbst etablierte Errungenschaften zunehmend in Frage gestellt werden. Angefangen von der wiederaufkommenden Abtreibungsdebatte, der beruflichen Eigenständigkeit (Kindergeld) und der Finanzierung eines autonomen Frauenraumes.

Der Kampf geht also weiter, das Bemängeln des Status-quo und die Aussicht auf Aussichtslosigkeit für Frauen, ist von Frauen zu bekämpfen. Wir möchten mit dem 30-Jahre-AUF-Symposium Frauen zusammen bringen, die sich nicht zufrieden geben mit dem Jetzt und die mit uns die Kraft der Bewegung von damals wiederfinden wollen. Denn ein offener Zugang und die Beteiligung möglichst vieler Frauen soll einen weitgehend herrschaftsfreien Austausch gewährleisten.

Literatur

Hildegunde Dick, Die autonome Frauenbewegung in Wien. Entstehung, Entfaltung und Differenzierung von 1972 bis Anfang der 80er Jahre. Dissertation, Wien 1991.

Geiger, Brigitte/Hacker, Hanna, Donauwalzer Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenhänge in Österreich, Promedia Verlag, Wien 1989.

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