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AUF Webmasterin: Veronika Reininger

Cover der Auf 131

AUF 131 - Politiken der Angst

Inhalt - Übersicht
Editorial
Ellen Bareis: "Räume der Angst und des Möglichen" (Teil 1)
Rubio Salgado/MAIZ: "Leck mich - ich komme! Provokationen des Rassismus und die antirassistische Handlung von Migrantinnen"

Editorial - Liebe Frauen, liebe Leserinnen,

zur Sprache kommen soll in dieser Nummer das (gegenwärtige) Regieren über Politiken der Angst als zentraler Bestandteil neoliberaler Regierungstechniken und "Menschenführung" (A. Gramsci). Über die Produktion von Angst werden "Risiken" privatisiert, werden gesellschaftliche Fragen unsprechbar gemacht, wird "die/der/das Andere" konstruiert und so Gesellschaft in ein Innen und Außen - bedroht versus gefährlich, dazu gehörig versus ausgeschlossen - gespalten, werden Menschengruppen kriminalisiert, wird der öffentliche Raum neu vermessen. Angst ist zu einem Element des Alltags geworden, der immer mehr Aspekte unseres Lebens bestimmt: Angst vor drohender Arbeitslosigkeit, Angst, dass das Pensions- und Gesundheitssystem einmal nicht mehr tragfähig sein wird, Angst vor Terrorismus, Angst vor der Vogelgrippe, Angst vor Umweltkatastrophen.

Die Politiken der Angst dienen der Produktion von Normalität und Abweichung - und damit dem Umgang mit diesem "Abweichenden" - den "Fremden" und "Anderen" ebenso wie den sozial Schwachen, die als Gefahrenpotential konstruiert werden.

Darüber hinaus geht es bei und in der Politik der Angst auch um zentrale gesellschaftliche Veränderung: Die Rückseite der Politiken der Angst stellt die Legitimierung bestimmter politischer Lösungsstrategien dar - wie etwa der Lauschangriff als gesetzlich legitimiertes Mittel in Österreich oder die Einschüchterung widerständiger Handlungen, wie etwa politische Eheschließungen, die durch die Kriminalisierung seit Anfang Jänner 2006 von Angst begleitet sind.

Um zu begreifen, wie das Gefühl der Angst und damit einhergehend der Ohnmacht das öffentliche Leben bestimmt, muss analysiert werden, wie dieses Selbstbild und unsere Sichtweise auf andere Subjekte gesellschaftlich geformt wird.

In der vorliegenden Ausgabe gehen wir daher einerseits der Frage nach, in welchen gesellschaftlichen Bereichen Politiken der Angst wirkmächtig sind und andererseits mit welchen Mechanismen sich diese Wirkmächtigkeit entfalten kann. Deshalb befassen sich die Beiträge zum einen mit Politiken der Angst im öffentlichen Raum und der damit einhergehenden Transformation der Öffentlichkeit (Kornelia Hauser, Ellen Bareis), mit der Produktion von Angst über Gesetze (und) über Sicherheitsdiskurse (Anny Knapp, Gertrude Schmutzer), mit der Produktion von Angst in dem Konstrukt der Festung Europa (Vlatka Frketic). Dass die Politiken der Angst auch innerhalb der Frauenbewegung wirken, zeigt der Text von Frigga Haug auf, der die Widersprüchlichkeiten innerhalb der Kopftuchdebatte analysiert. Möglichkeiten von widerständigem Handeln als Selbst-Verständnis beschreibt Rubia Salgado vom Verein maiz. Was Politik der Angst für Agieren und Handeln bedeutet, fragt Alice Pechriggl in ihrem Beitrag aus einer philosophisch-psychoanalytischen Perspektive.

Das Anliegen, das diesem Heft zugrunde liegt, ist ein Versuch, über diese breit gefächerte Analyse der Strategien und Mechanismen einer Politik der Angst sowie entlang der Frage, wie diese von den Subjekten ge/erlebt werden, den Weg frei zu legen für die Frage, wie widerständiges feministisches Handeln und emanzipatorische Praxen gegen die Politiken der Angst möglich sind. Ein Beispiel dafür stellt für uns der Film "Grbavica" von Jasmila Zbanic dar, die wir gemeinsam mit Mirjana Karanovic für dieses vorliegende Heft interviewen konnten, in welchem sie über ihren Weg, gegen und in diese Politiken der Angst widerständig einzugreifen, erzählen.

Präsentiert wird dieses AUF-Heft am 6. April um 20.00 Uhr im FLMZ (Währingerstr. 59) gemeinsam mit drei Kurzvideos von Jasmila Zbanic zu den Folgen des Kriegs für die Frauen in Bosnien-Herzegovina.

herzlich,
die Frauen der AUF-Redaktion

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